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80 Jahre Pogromnacht 1938 in Hagen

Eine Kunstinitiative zum (Ge)denken

Vom 9.11. - 17.11.2018

Kunstinitiative, Idee, Konzeption & Kuration: Slavica Stoltenhoff und Dietmar Schneider (Kooperative K)
Kooperationspartner und Institutionen: Jüdische Gemeinde Hagen, Jugendring Hagen, Theater Hagen,
Rahel Varnhagen-Kolleg, Geschichtsverein Hagen, Kulturzentrum Pelmke e. V., Stadtkanzlei der Stadt Hagen

Am 10. November, etwa ab 3:00 Uhr früh, zogen Gruppen gewaltbereiter Männer unbehelligt durch die Hagener Innenstadt ...

So beginnnt der Artikel „Das Klavier in der Volme“ aus dem Archiv des Historischen Centrums Hagen, der die antijüdische Gewalt am 10. November 1938 in Hagen dokumentiert.

80 Jahre später klingt dieser Satz aktueller denn je.

Der jüdische Roßschlächter Simon Cohn führte in Hagen, an der Marktbrücke „Am Hohen Graben 2“ eine Metzgerei und eine Gastwirtschaft. Darüber befand sich die Privatwohnung der
Familie. In der Nacht zum 10. November 1938 stürmen Mitglieder staatlich legitimierter deutscher Terrorverbände der „Sturmabteilung“ (SA) oder der „Schutzstaffel“ (SS) die Metzgerei und die Wirtschaft. Männer aus Vorhalle und Eckesey und vom Remberg sind dabei. Einige sind mit Knüppeln und Steinen bewaffnet. Auch Kursteilnehmer der staatlichen „Gauführerschule“ auf dem Hohenhof sind beteiligt. Für die Männer der Sturmabteilung ist angeordnet: keine Uniform.

In der Pogromnacht 1938 werden nicht nur die Gaststätte und die Metzgerei am Hohen Graben geplündert, sondern auch die Privatwohnung der Cohns verwüstet. Das Klavier wird aus dem Fenster geworfen und landet in der Volme. Simon Cohn wird geschlagen, schwer verletzt und stirbt später an diesen Verletzungen.

Ein Instrument gegen die Instrumentalisierung

Betroffen und gleichzeitig inspiriert durch den Artikel, in dem das Klavier des getöteten jüdischen Metzgers Simon Cohn* eine Rolle spielt, begeben wir uns 80 Jahre später, Anfang April 2018, auf die Suche nach einem Klavier aus den 20er/30er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Wir werden fündig. Es bekommt einen „neuen“ gelben Anstrich.

Das gelbe Klavier wird zu Schulen, Seniorenheimen, Marktplätzen und anderen Standorten im Stadtgebiet transportiert und alle (musikbegeisterten) Menschen sind eingeladen auf dem Klavier zu spielen.
 

Haltet Ausschau nach dem gelben Klavier:
10:30 - 16:00 UhrSynagoge Hagen, Potthofstraße 16Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde
17:00 UhrHagen, Schumacher MuseumOffene Klaviersession
20:30 UhrHagen, Am Hohen Graben 6Eröffnung der Kunstinitiative "Das Klavier in der Volme"
21:30 UhrHagen, BodelschwinghplatzGosia Gajdemska - Tanzperformance im Ladenlokal in Begleitung von Michal Talma-Sutt, Elektro-Akustische Musik
22:30 UhrHagen, Millhoff-Center, Grabenstr. 28Ausstellungseröffnung, im Anschluß: Jewish-Arabic Sounds
09:00 UhrHagen, Vorplatz JohanneskircheOffene Klaviersession
10:30 - 16:00 UhrHagen, TheatervorplatzDas Klavier trifft das Kunstprojekt "Zurück in die Zukunft"
20:00 UhrHagen, Bodelschwinghplatz

Gosia Gajdemska - Tanzperformance im Ladenlokal in Begleitung von Michal Talma-Sutt, Elektro-Akustische Musik

9:30 UhrHagen, Gemeinschaftshauptschule Vorhallerstr. 17Offene Klaviersession
11:00 - 15:00 UhrHagen, HauptbahnhofOffene Klaviersession
15:00 - 16:00 UhrHagen, TheatervorplatzDas Klavier trifft das Kunstprojekt "Zurück in die Zukunft"
18:00 - 19:00 UhrHagen, Am Hohen Graben 6Klaviersession
19:00 - 20:30 UhrHagen, Am Hohen Graben 6Montagskino zum Thema, Filmvorführung outdoor
20:30 UhrHagen, Millhoff-Center, Grabenstr. 28Montagskino, Filmvorführung indoor
9:30 - 11:00 UhrHerdecke, Friedrich-Harkort-Schule und Realschule am BleichsteinOffene Klaviersession
11:00 - 14:00 UhrHerdecke, Hauptstr. 28, Untere FußgängerzoneOffene Klaviersession
14:00 - 15:00 UhrHagen, Boeler MarktplatzOffene Klaviersession
15:00 - 16:00 UhrHagen, TheatervorplatzDas Klavier trifft das Kunstprojekt "Zurück in die Zukunft"
18:30 UhrHagen, Millhoff-Center, Grabenstr. 28Gesprächsrunde mit einer Zeitzeugin (u.V.)
19:30 UhrHagen, Millhoff-Center, Grabenstr. 28Diskussion / Talkrunde
10:00 - 11:00 UhrHagen, Marktplatz AltenhagenOffene Klaviersession
11:00 - 12:30 UhrHagen, Luise-Rehling-Realschule, Friedensstraße 26Offene Klaviersession
13:00 - 14:00 UhrHagen, Augustastr. 11Offene Klaviersession
14:00 - 15:00 UhrHagen, BodelschwinghplatzOffene Klaviersession
15:00 - 16:00 UhrHagen, TheatervorplatzDas Klavier trifft das Kunstprojekt "Zurück in die Zukunft"
18:00 - 19:00 UhrHagen, Am Hohen Graben 6Jamsession mit Klavier! Bringt Eure Instrumente mit! Bei Regen großräumiger Unterstand vorhanden.
19:30 - 22:00 UhrHagen, Am Hohen Graben 6Konzert mit „MUT“, Drums & Klavier
9:30 - 11:15 UhrHagen, Gesamtschule HaspeOffene Klaviersession
11:15 - 12:00 UhrHagen, Christian Rohlfs-GymnasiumOffene Klaviersession
12:15 - 13:00 UhrHagen, Waldorfschule, Enneper Str. 30Offene Klaviersession
13:00 - 14:00 UhrHagen, Hasper TorhausOffene Klaviersession
14:00 - 15:00 UhrHagen, Pflegeheim Haus Bettina, Heilig-Geist-Str. 12Offene Klaviersession
15:00 - 16:00 UhrHagen, WilhelmsplatzOffene Klaviersession
19:30 UhrHagen, BodelschwinghplatzCompagnie Ballett Theater Hagen - Tanzperformance im Ladenlokal
9:00 - 10:00 UhrHagen, WilhelmsplatzOffene Klaviersession
10:30 - 11:15 UhrHagen, Hohenlimburg RealschuleOffene Klaviersession
11:15 - 12:15 UhrHagen, Hohenlimburg HeideschuleOffene Klaviersession
12:30 - 13:30 UhrHagen, Hohenlimburg Dorfplatz ElseyOffene Klaviersession
14:00 - 16:00 UhrHagen, TheatervorplatzDas Klavier trifft das Kunstprojekt "Zurück in die Zukunft"
12:00 - 15:00 UhrDas Klavier folgt der historischen Route Richtung Innenstadt. Vom Hauptbahnhof, zur Elberfelder Straße, Friedrich-Ebert-Platz bis zur Potthofstraße und Dr. Ferdinand-David-Park.
15:00 - 16:00 UhrHagen, TheatervorplatzDas Klavier trifft das Kunstprojekt "Zurück in die Zukunft"
19:00 UhrSynagoge Hagen, Potthofstraße 16Offene Klaviersession
19:30 UhrSynagoge Hagen, Potthofstraße 16, GaragenhofAudiovisual-Performance-Collage
22:00 UhrHagen, Millhoff-Center Grabenstr. 28Audiovisual-Performance-Collage
23:15 Uhr - Open EndHagen, Millhoff-Center Grabenstr. 28Tanz-Video-Performance, Compagnie Mitglieder des Ballett-Theater Hagen

Container-Audio-Geschichte(n) und Schicksale jüdischer Frauen, Männer, Kinder und Familien aus Hagen.
Darunter auch eine Videodokumentation der vermutlich letzten, noch lebenden und betroffenen Zeitzeugin aus Hagen.

Die blauen Container sind quer duch die Hagener Innenstadt verteilt:
Marktbrücke, Märkischer Ring
Dr. Ferdinand-David-Park
Synagoge, Potthofstr. 16
Friedrich-Ebert-Platz
Goldbergstr. 20
Elberfelder Straße
Theaterplatz
Grabenstr. 28
Berliner Platz, Hbf

Die gelben Banner an der Marktbrücke, Am Hohen Graben 2, erinnern an: 167 Hagener Bürger*innen jüdischer Herkunft, die während des Holocaust verschleppt, deportiert und getötet wurden. 30.000 jüdische Männer, die in dieser Nacht verhaftet und in Konzentrationslager deportiert wurden. 1.406 Synagogen, die deutschlandweit zerstört wurden. 2.000 Menschen, die nach Schätzungen von Historikern in der Reichspogromnacht den Tod fanden. 6,7% aller Zwangsarbeiter wurden Hagen zugeteilt, ein relativ hoher Anteil. Mehr als 6.000.000 europäische Juden wurden während des zweiten Weltkrieges ermordet.

Ein Klavier steigt immer wieder aus dem Wasser. Die Animation trägt den Titel „Rückfall“. Symbolisch wird damit zum Ausdruck gebracht, dass es nicht möglich ist, die Zeit zurückzudrehen, gleichwohl aber, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Stellvertretend ziehen sich 80 Opfernamen aus Hagen, jeweils auf 2,5 m lange Banner gedruckt, wie ein gelber Faden durch das Stadtgebiet.

Die Jüdische Gemeinde hat eine Liste mit jüdischen Opfern des Holocaust zur Verfügung gestellt. Der Geschichtsverein hat diese um einige Namen von Widerstandskämpfern und
Zwangsarbeitern ergänzt.

Große Steine in der Volme, zwischen Marktbrücke und Rathaus, die mit gelben Stoffen überzogen sind, erinnern nicht nur an die kleinen Steine, die auf jüdischen Gräbern zu finden sind. Je nach Wasserstand „erinnert“ man sich mehr oder weniger an die Vergangenheit. Im Dunkeln, reflektieren die Steine Licht, wenn sie mit der Taschenlampe des Smartphones beleuchtet werden.

Hagener Schüler*innen und Bürger*innen bauen Skulpturen und lassen eine Installation im öffentlichen Raum entstehen. Die individuell entstandene Skulptur wird zum Teil der Gesamtinstallation. Dabei steht jede einzelne Skulptur symbolisch für eine der 1400 Synagogen, die während der Novemberpogrome 1938 in Deutschland zerstört wurden. Das Ziel dieses Kunstprojekts ist, während der gemeinsamen Arbeit über Instrumentalisierung, Populismus, Vorurteile und Berührungsängste zu diskutieren und Diversität, wie sie in der Kunst selbstverständlich ist, als Chance zu verstehen. Ein gemeinsames Werk kann dafür ein Fundament bilden.

Eine Malaktion Hagener Grund- und Förderschulen. Ziel des Projektes ist es, dass sich Kinder möglichst unterschiedlicher Herkunft oder Religion gegenseitig malen, sich dabei genau beobachten und Besonderheiten oder Gemeinsamkeiten entdecken, das Interesse und die Empathie füreinander fördern.

Die auf hellem Stoff entstandenen Porträts werden an einer langen Schnur befestigt und im Stadtzentrum ausgestellt.

Ballett- und Tanzperformance im leerstehenden Ladenlokal auf dem Bodelschwinghplatz im Stadtteil Wehringhausen. Die Zuschauer schauen von außen durch die Schaufenster zu.

Symbolisch soll daran erinnert werden, dass viele Menschen 1938 zwar nicht direkt beteiligt waren, aber als Zuschauer hingesehen haben.

Das Projekt „MUT“ des Fotografen Lutz T. Tölle wird akustisch und optisch auf der Bühne neben der Synagoge neu interpretiert.

Die über 2 Meter großen eisernen Buchstaben sind nicht nur Blickfänger, sondern gleichzeitig auch imposante Klangkörper.

 

Tatort: Sa. 17.11., Friedrich-Ebert-Platz,
Uhrzeit: ca. 14:00 Uhr.

Es werden gelbe Rucksack-Schutzhüllen für Radfahrer produziert, mit dem Aufdruck: 1/?
Sie dienen nicht nur dazu, in der dunklen Jahreszeit besser erkennbar zu sein, sondern auch, um symbolisch Rückgrat zu zeigen und damit Teil einer Gesamtbewegung zu werden. Werdet 1/Vielen!!!

Die Hüllen gibts am Containeran der Synagoge.

 

Lichtstrahler auf dem Dach der Hagener Synagoge weisen in alle Himmelsrichtungen und erinnern daran, dass Erinnerung und Gedenken zeit- und raumlos ist.

Aktionen und Standorte

Impressionen

Teil 2

Info-Point an der Synagoge

Der Info-Point an der Synagoge Hagen, Potthofstraße 16, ist täglich zwischen 16:00 und 22:00 Uhr geöffnet. In ihm werden Bücher und Begleitmaterial sowie Informationen rund um das Thema der Gesamtaktion angeboten. Der Container ist darüber hinaus auch Treff- und Ausganspunkt der geplanten Stadtrundgänge.

Teilnehmende Künstler in- und outdoor

Lola Lecoutour, Le Havre/Barcelona: Illustration, Animation Rolf Rolfe, Berlin: Street Art Denise Coriandoli, Wuppertal: Malerei, Fotografie Dietmar Schneider, Hagen: Malerei, Video Slavica Stoltenhoff, Zagreb/Hagen: Animation, Installation Kathrin Harloff Weidner, Hagen: Skulptur Gosia Gajdemska, Krakau/Berlin: Tanzperformance Léon Duniec, Tegelen: Skulptur Peter Hilker, Hagen: Malerei Schüler der Max-Reger-Musikschule, Hagen Lutz Tim Tölle, Iserlohn: Projekt „MUT“ & Drums Michal Talma-Sutt, Lodz/Berlin: Elektro-Akustische Musik Aziz El Khiar, Gevelsberg: Malerei, Skulptur Marta Kawecka, Warschau: collage - object, film collage Rafał Smolinski, Warschau: bas guitar, live electronics Piotr Mełech, Warschau: prepared bass clarinet and clarinet, live electronics Iouri Grankin, Köln: prepared vocal, lector Ballett Theater Hagen, Compagnie Mitglieder

 

Dank an unsere Sponsoren und Unterstützer

© 2018 Das Klavier in der Volme

Kunstinitiative, Idee, Konzeption & Kuration:
Slavica Stoltenhoff
Dietmar Schneider

Strassburger Straße 29
58091 Hagen

Tel.: +49 (0)2331 735354
post@das-klavier-in-der-volme.com

 

Kooperationspartner und Institutionen:
Jüdische Gemeinde Hagen
Jugendring Hagen
Theater Hagen
Rahel Varnhagen-Kolleg
Geschichtsverein Hagen
Kulturzentrum Pelmke e. V.
Stadtkanzlei der Stadt Hagen